Die Sache mit dem Neuen

Ich gehöre ja grundsätzlich nicht zu den Leuten, die Angst vor Neuem haben, ganz im Gegenteil, mit Neuem verbindet mich eine innige Leidenschaft, wie man an meinem Schrank sehen kann (auch wenn meine NEUgier diesbezüglich in den letzten knapp zwei Jahren einen deutlichen Dämpfer bekommen hat). Ich liebe es, neue Bücher oder neue Notizhefte aufzuschlagen, mit einem neuen Stift zu schreiben, neue, frische Lebensmittel einzukaufen, mit einem neuen Gewürz zu kochen, eine neue Zahnpastatube zu öffnen oder das erste Mal mit einem neuen Duschgel zu duschen. Und natürlich liebe ich es nach wie vor, etwas Neues in meinen Schrank zu hängen, aber habe es geschafft, dass das dauerhaftere Liebschaften und nicht mehr feurige aber eben kurzlebigeliebige One-Night-StandsDay-Wears sind. Und ich habe es weitestgehend geschafft, neue Lebensmittel oder das neue Duschgel erst dann heimzutragen, wenn die Vorräte aufgebraucht sind (vor zwei Jahren hätte eine Mure oder gelandete Außerirdische oder sonstiger Unbill uns von der Umwelt abschneiden können und wir hätten mindestens zwei Wochen lang kein Versorgungsproblem gehabt…)

Ich liebe auch neue Herausforderungen im Job (auch wenn es da Phasen gibt, wo ich mir etwas mehr Ruhe und Beständigkeit wünsche) und neue Eindrücke in meiner Freizeit. Aus diesem Grund hatte ich mir zu Jahresbeginn überlegt, jeden Monat etwas Neues auszuprobieren. Ausgesprochen – und noch dazu vor Zeugen – war dieser Neujahrsvorsatz schnell. Aber schon am dritten Jänner hatte ich Zweifel, ob ich tatsächlich für jeden Monat etwas in der Art finden werde.

Denn was ich nach nur einem Monat herausgefunden habe: es tut mir gar nicht gut, wenn das “ Neue“ ein neues Hobby ist. Irgendwie ist der Floh in mein Ohr gekrochen (bzw. über dieses Teufelszeug namens Pinterest in die Augen), ich könnte es doch mal mit Fimo probieren. Tolle Ideen sieht man da. Schmuck und so (aus dem Alter für kindische Viecher bin ich dann doch raus – mit kindischem Schmuck, das ist ja gaaaaanz was anderes). Und man könnte doch… Tja, und dann steht man beim Harnisch oder beim Bösner und ertappt sich dabei, dass man soeben wieder einen Haufen Geld ausgegeben hat für eine Steigerung der „Phasenbestände“ (Danke an die liebe Frau Ibrauchnix für diese geniale Wortschöpfung) um ungefähr 37%. Weil es bleibt ja nicht bei ein paar so Fimo-Eckerln. Nein, unversehens braucht man dann einen Lack und Ohrstecker-Rohlinge und Draht und Verschlüsse und so eine Silikonmodel für Blümchen und… Perlen nicht, die sind noch aus meiner Perlenphase vorhanden von vor ein paar Jahren. Jedenfalls hab ich wieder eine Kiste voll Zeugs und auf einem Bogen Backpapier warten so ein paar Blümchen und Fimo-Klunker auf eine Saunarunde im Backrohr, denn – man denke sich jetzt eine moralisch gehobene Augenbraue und den Zeigefinger – ich schalt‘ ja nicht extra das Rohr ein, wär‘ ja Stromverschwendung und ökologischer Wahnsinn (weil ja Fimo aus Regenwurmdung besteht oder so *mei’istmanmanchmaldeppert*)Die Dinger müssen auf die nächste Pizza warten. Blöderweise hab ich dann aber erstmal Hunger und außerdem ist das Rohr nach Pizza oder Kuchen oder Brathendl zu heiß und dann, ja dann vergess‘ ich wieder drauf. Falls es doch noch mal dazu kommt, dass die Fimos gebacken werden, muss ich dran denken, den Staub runter zu pusten, sonst schaut es so samtig aus… Ohne Backen bleiben die Dinger aber auch nach wochenlangem Lufttrocknen ganz weich.

Es lässt sich also unschwer herauslesen: das mit dem Fimo ist so eine Sache… Wobei das Fimo nix dafür kann, dass ich mich nicht wirklich konzentriert damit beschäftige. Schuld ist mein Nadelproblem. Und wenn man nicht komplett zum Misanthropen werden will, pflegt man außerdem lieber ein paar Hobbies, die einen ein bissl unter die Leut‘ bringen. Falls das Argument kommt, ich könnt‘ ja mit der Familie basteln: Herzmann und Tochterkind haben nach der Anfrage auf Beteiligung am Bastelspaß erst mich ganz groß angeschaut und dann einander, ich konnte über ihren Köpfen die Comic-Denkblasen sehen „Ojee, jetzt dreht sie uns komplett durch“. Kind ist dann in sein Zimmer geflüchtet – sie hat Basteln schon im Kindergarten gehasst, Mann hat immerhin gefragt, ob man eventuell aus Fimo auch Ersatz-Bauteile für Werkzeug oder Installationsbedarf herstellen könnte, es ging konkret um ein gebrochenes Plastikdings beim Garten-Wasseranschluss oder ein Stückl an der Navi-Befestigung im Auto.

Ich habe aber neben meiner Neugier auch eine ordentliche Portion Sturheit ausgefasst, und genau diese Sturheit wird mich dazu bringen, die ganzen Fimopackerln in irgendeiner Weise auch zu verbrauchen – und wenn’s doch noch das Navi-Plastikdings ist. Alles zu einem großen grauen, mit Draht umwickelten Knödel rollen, gilt nicht. Vielleicht entstehen kindische Schlüsselanhänger. Und vielleicht wird doch noch Schmuck draus oder Knöpfe oder moderne Kunst oder ein Blumentopf. Ich werde berichten und zeigen.

Auf jeden Fall gebe ich nach einem Monat W.O. mit meinem Neuigkeiten-Projekt. Ich kann keine neuen Hobbys brauchen. Nachdem meine Freizeit ja schon in erster Linie und mit ganzem Herzen der Familie gewidmet ist, komme ich jetzt schon nur alle heiligen Zeiten zum Malen, ich hätte noch Stoff zu vernähen, ich hab schon lang nicht mehr so richtig ausgiebig gekocht und gebacken, ich schreibe viel zu selten und komme noch seltener dazu, zu lesen oder mal mit einer Freundin ins Kino zu gehen. Wenn daneben noch Zeit übrig bleibt, schadet es mir auch nicht, eine Runde durch den Wald zu rennen, anstatt Plastikblümchen zu formen. Umbringen will ich mich mit Neuigkeiten auch nicht – sowas wie Bungeejumpen – und meine Spinnenphobieekelneurosenhysterie will ich auch nicht loswerden (wann kann sich ein Mann noch so richtig als Ritter fühlen, wie in dem Moment, wo er einen – einINNE? Wie gendert man das?? – vor einem mausgroßen, achtbeinigen Untier retten kann??????)

Etwas Neues, Mutiges gab es dann doch noch im Januar. Ich hab mich getraut und die Haare kurz schneiden lassen, zum ersten Mal wieder seit dreißig Jahren – meine Schafphase mit Dreizehn, aber das ist eine andere Geschichte…

Lass den Frühling rein!

Nach wochenlangem Nebel, Schnee und Eisregen ist heute endlich einmal wieder ein sonniger und recht milder Tag hier im kleinen feinen Goldland (jaaaaa, wenn ein Ösi beim Schifahren Edelmetall gewinnt, ist die Welt in Ordnung, drohe auch sonst an Unbill, was wolle 🙂 🙂 )

Höchste Zeit also, Licht und Luft ins Haus zu lassen, den winterfahlen Teint auszulüften und ein kleines bisschen Frühlingsvorfreude herein zu holen!

Wie wär’s also mit einem Spaziergang und ein bisschen Basteln heute nachmittag?

Der Eisregen, der vor zwei Wochen alles mit einer zentimeterdicken Eisschicht überzogen hat, hat zwar leider auch viel Schaden im Garten angerichtet, aber die vielen heruntergebrochenen Zweige eignen sich hervorragend zum Basteln.

Türkranz aus Birkenzweigen

ZUTATEN: je nach gewünschter Größe mehrere Birkenzweige oder andere sehr biegsame Zweige, z.B. von Korkenzieherweiden, ganz dünnen grünen Blumendraht, eine scharfe Gartenschere, Sachen zum Dekorieren

Birkenreisig ist ganz dünn und sehr biegsam, ideal also zum Kränzebinden. Ich möchte einen lockeren Kranz, deswegen nehme ich keinen Stroh-Unterkranz und auch keinen Ring, denn den würde man durchschimmern sehen.

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Dickere Enden habe ich abgeschnitten. Dann werden mehrere Zweige ganz locker gebündelt und nur an einzelnen Stellen mit einem kleinen Stück Draht zusammengebunden – so lange, wie der spätere Umfang des Kranzes sein soll.

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Ich wickle den Draht nicht durchgehend um die Zweige, sonst würde der Kranz nicht so ganz locker und zufällig aussehen. Die weichen Zweige lassen sich gut umeinanderwickeln. Dann wird der Kranz geschlossen und an dieser Stelle mit Draht zusammengebunden. Diese Stelle ist später oben, daher forme ich aus den Drahtenden eine kleine Schlinge zum Aufhängen. Der Draht verschwindet dann hinter Bändern.

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Zum Schluss befestige ich noch kleine Vögel im Kranz, es könnten auch ausgestanzte Papierblüten, Ostereier (aber das ist noch ein bissl sehr früh), oder echte Blüten (in Glas-Eprouvetten) sein – oder was der Fundus halt so hergibt.

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Frühlingsgestecke

ZUTATEN: ein geeignetes Pflanzgefäß, z.B. eine Keramikschale, eine Vase oder auch eine Etagére, passende Topfpflanzen aus der Gärtnerei, Fundstücke aus Wald und Garten, Deko
Und damit es drinnen auch ein wenig nach Frühling aussieht, war ich in der Gärtnerei und habe ein paar Mini-Narzissen und Primeln gekauft. Am Waldrand, wo der Schnee unter den Bäumen schon weg ist, habe ich Moos ausgerupft und ein paar kleine Ästchen vom Birnbaum aufgesammelt, die ebenfalls dem Eisregen zum Opfer gefallen waren (einige sind mit schönen, urigen Flechten bewachsen, da mache ich demnächst noch etwas draus).

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Die beiden grünen Keramikschalen besitze ich schon seit Jahren, auch die Vogerln und die Wachteleier hab ich schon lange. Wie auch beim Kranz ist bei den Gestecken nichts außer den Narzissen neu gekauft worden.

Das Moos übrigens wächst bei uns an den schattigen Stellen am Waldrand, lässt sich hervorragend trocknen (behält auch trocken seine grüne Farbe ) und ebenfalls als Material für Kränze verwenden, als Bett für die Ostereier, zum Auspolstern von Schalen oder gläsernen Windlichtern. Ich habe das alles vor der Haustür, aber trotzdem habe ich bei jedem Spaziergang immer eine Gartenschere und ein Plastiksackerl eingesteckt.

Einen schönen, goldenen Samstag und viel Spaß beim Spazierengehen!

Und plötzlich isses schon längst Februar…

… Huch, da blödelt man ständig drüber, wie es ist, älter zu werden, und dann merkt man es gar nicht??? Super eigentlich. Blöd ist nur, dass das Spiegelbild nicht lügt – andere Geschichte. Jedenfalls: plötzlich ist schon nicht mehr Neujahr, sondern etliche Wochen später. Ich war NICHT im Winterschlaf, obwohl ich mir das manchmal wünsche, weil ich den Februar nicht leiden kann und obwohl das hier den Eindruck erweckt hat. Alles voller Spinnweben und unter einer Staubschicht…

Aber auf Putzen hab ich keine Lust, wie ich eigentlich in einem halbfertigen, nie veröffentlichten Post „Wider den Perfektionswahn“ schreiben wollte (von meinem Boden kann man sich nämlich auch sattessen 🙂 🙂 ).

Inzwischen hat die WordPress-App zwei neue Updates und schaut ganz anders aus (und das in meeeeiiiinem Alter).

Ich wollte auch schon etliche Fotos posten von meinen neuesten Werken und Errungenschaften, aber wenn man, anstatt von vorne herein Winterschlaf zu halten, am Abend heimkommt, ist es stockfinster, im Vorzimmer, wo ich „es“ tun könnte, ist es energiesparend so ganz fuselig beleuchtet (wo sind die guten alten 100-Watt-Flutlichter hin? Wobei …. –>>> ), wobei das abends vielleicht sogar eher ein Vorteil ist, wenn man den fahlen, heizungsluftgedörrten, abgeblätterten Winterteint nicht mehr so genau sehen kann und alle Fotos so unscharf werden, dass keiner eine strickjacke von einem Pyjama unterscheiden könnte. Jedenfalls also: keine Fotos. Warat‘ grundsätzlich noch die Option, selbige am Wochenende nachzuschießen. Aber *hüstel*, wir drei sind kollektiv so versumpert an den letzten Wochenenden, das war auch nicht fotogen. Und nur für so Fotos aufbrezeln… Viel zu anstrengend. Lieber mit den Wollsocken von Oma weiterhin am Sofa festwachsen und…

… Und… Und – jetzt sind wir beim wahren Grund angelangt: ich häng einfach total völlig hoffnungslos an der Nadel. Wie die Müllerstochter im Rumpelstilzchen. Alles verspinnenstricken. Jede Menge Wolle, jede Menge Projekte (aber nicht alle für mich). Und auf alle so gierig, dass ich keinen der Wollposten vielleicht gar für’s nächste Jahr aufsparen möchte, NEIN, schnell schnell machen, dann kann ich es in dieser Saison vielleicht noch ein-, zweimal anziehen. Drum wird nicht getrödelt, sondern gestrickt. Auf Teufel komm raus. Da bleibt keine Zeit zum Schreiben. Olympia ist totaaaaal super für sowas (also so als Hörfilmuntermalung). Man muss gar nicht hinschauen. Weil die brüllen einem sowieso die Ergebnisse in die Ohren. Und wenn einer was toll macht, oder auch total versemmelt, kommt es vier-, fünfmal in Zeitlupe. Genug Zeit also, um dann doch mal kurz, vielleicht beim Reihenwechsel, aufzublicken – ich spezifiziere: wenn WIR Abfahrtsolympiasieger werden, schaut man kurz auf. Man kriegt dann genug mit, um sich mit der sportnarrischen Familie auszutauschen (man ist ja schließlich kein schrulliger Eremit, NOCH nicht wenigstens) und am nächsten Tag beim Vormittagskaffee nicht komplett zu blamieren.

(Übrigens unlängst ein witziges Experiment gestartet: ohne einmal Dschungel gesehen zu haben, mitquatschen. Merkt keiner. Wenn man Blödsinn redet, widerspricht keiner, weil jeder zwischendurch wegnapselt und nicht alles mitkriegt. So wie ich. Ich muss einmal ein Hendl gewesen sein – esse gerne Körndln und geh‘ kurz nach Sonnenuntergang schlafen. Drum immer zu spät – und zum Glück üüüüberhaupt nicht peinlich. Und die grauslichen Sachen muss ich mir auch nicht antun.)

Also jedenfalls ist wenigstens handwerklich jede Menge kreative Energie geflossen (genäht wurde auch ein bissl), und mein Vorhaben mit den neuen Sachen hab ich bis jetzt auch durchgezogen. Zwar nicht den ursprünglich für Jänner geplanten Fimo-Schmuck fertiggestellt (Jaja, die Phasenbestände), weil die Muse weitergeflattert ist, aber ein anderes Experiment gewagt.

Nachdem ich hier schon sehr lange nichts mehr gezeigt habe, hat sich einiges angesammelt aus den letzten Monaten, was alsbaldigst vorgeführt werden will. Aber jetzt isses halt schon wieder so finster draußen und der Teint schon wieder so abendträgewinterfahl und die Wollsocken und jetzt müsst ich aufstehen und raufgehen und… Ach nöööööö.

Aber bald. Muss nur noch schnell das blaue Vorderteil fertigstricken.

Happy New Year

Hinter mir ein paar herrlich faule Tage, mit viel Zeit für Familie, stricken, nähen, schlafen, faul sein. Vor mir ein neues Jahr. Was wird es wohl bringen? Auf jeden Fall eine neue Farbe.

Orange.
Feuer.
Sonnenaufgang.
Energie.

Und was braucht man zu einem neuen Jahr? Einen Kalender. Nachdem ich nirgendwo einen in orange gefunden habe, der außerdem noch genug Platz hat für alles, was ich in einem Kalender haben will, habe ich kurzerhand selber einen gebastelt.

Ein großes Notizbuch mit Blankoseiten, buntes Klebeband, Stifte, Fotos, Karten und so weiter. Jeden Tag habe ich ein paar Wochen gestaltet, ein paar fehlen noch. Aber wer macht schon Anfang Jänner Termine für Oktober aus 🙂 ?

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Dazwischen immer wieder viele freie Seiten für Notizen, Skizzen und alltägliche Andenken. Ich freu mich darauf, dass an Ende dieses Jahres ein kunterbuntes Album fertig ist.

Ein Album über viele neue Eindrücke, über Erlebtes, über Projekte und neue Dinge. Neue Dinge. Denn ich habe mir vorgenommen, jeden Monat etwas Neues auszuprobieren, und zwar nicht im Sinne von „Im Februar stricke ich einen neuen Pulli“. Ausgesprochen – noch dazu vor Zeugen 🙂 – war es sehr schnell, aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich erkannt, dass das gar nicht so leicht ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich jeden Monat etwas finden werde, aber ich werde es versuchen. Wenn ich in den letzten Jahren etwas gelernt habe, dann aber, dass oft eines das andere ergeben kann. Wenigstens für Jänner habe ich schon eine Idee – demnächst mehr.

Nun denn, schauen wir einmal, was es bringt, dieses Jahr

Alles erdenklich Liebe und viel Glück für Euch alle!

Feiertagsstress ;-)

Geglückt. Nämlich meine Absicht, mich nicht von all dem Wirbel mitreißen zu lassen. Reicht ein anstrengender neuer Job, da muss man sich nicht auch noch der ganzen Xmas-Event-Shopping-Hektik hingeben. Ein paar kleine Aufmerksamkeiten sind besorgt, ansonsten stecken schöne Unternehmungen und gemeinsam verbrachte Zeit in den Päckchen. Die Familie würfelt sich gemütlich unter den diversen Bäumen in unserer ziemlich großen Familie neu durcheinander, ein paar für einen Sprung, ein paar zum Tee bei uns, und ein paar morgen, wo wir vom Mutterherz auf das Köstlichste bekocht werden – heißt: kaum Aufwand heute. Drum hab ich auch grad den totalen Stress 😉 😉 😉

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Herzmann und Herzkind befinden sich gerade in einer ähnlichen Pose, die Katze sowieso:

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Am Vormittag gemütlichen Kaffee bei den Nachbarn, dann Baumschmücken zu all der schönen Musik, die man unter’m Jahr nie hört im Radio, und jetzt noch ein, zwei Stündchen Sofaknotzen mit Internet, Zeitungen und Strickzeug.

Ich wünsche Euch allen mindestens genau so viel Gemütlichkeit und viele Geschenke – möglichst viele ohne Mascherl drumherum, sondern solche, die von Herzen kommen, vor allem aber Glück, Zufriedenheit und Liebe!

Und: ja, das Christkind gibt es!

Andere Fragen…

Es ist Advent, und wer mich kennt, weiß, dass ich diese Zeit des zu Ende gehenden Jahres, wie auch die Fastenzeit, sehr gerne für ein bisschen Reflexion nutze. Jeder geht mit diesen Jahres-Zeiten anders um, mir fällt auf, dass auch viele die Ruhe und Spiritualität vermissen, die diese Zeit einmal hatte, und sich über Stress und Hektik beklagen. Ja, auch ich lasse mich zwischendurch mitreißen. Doch so wie heute sage ich ganz bewusst „STOP“. Ich bin davon überzeugt, dass man für seine Stimmung und seinen Stress in erster Linie selbst verantwortlich ist – nicht das Universum, nicht das Leben und meistens auch nicht „die anderen“. Niemand zwingt mich dazu, in aller Herrgottsfrüh im Radio irgendeinen Schrott, verärgernde Nachrichten oder die ganzen leidigen Weihnachtslieder anzuhören. Niemand zwingt mich dazu, am Samstag in ein überfülltes Shoppingcenter zu fahren oder mir mit grauslichem Punsch auf einem zwielichtigen Adventmarkt Sodbrennen zu holen. Ich muss mich nicht verschulden, um meine Lieblingsmenschen und schon gar nicht Nicht-Lieblingsmenschen mit irgendeinem verlegenen Plunder zu beschenken. Wir beklagen so gerne „die verlogene Konsumgesellschaft“ und rutschen doch so leicht in diesen Ramsch-Raff-Kauf-Kreislauf, anstatt zu den Lieblingsmenschen zu sagen „Packerl gibt es keines, aber demnächst unternehmen wir gemeinsam was Schönes.“ Ich schenke leidenschaftlich gerne und freue mich immer diebisch, wenn ich einen Herzenswunsch meiner Lieblingsmenschen errate. Das kann auch spontan unter’m Jahr sein. Aber das, was uns allen am meisten fehlt und uns aber am meisten freut, ist gemeinsam verbrachte Zeit, so wie letztens das Kranz-Basteln oder ein vertratschter Sonntagnachmittag mit meiner liebsten Freundin, die ich in meinem letzen Post erwähnt habe.

Meine liebste Freundin… sie ist mein wichtigstes Erdungskabel. Unsere Kinder sind fast gleich alt, sie hat meines entbunden (Hebamme), wir haben unsere Karenzzeit fast täglich zusammen verbracht. Wo ich nüchtern-verstandsorientiert bin, fasziniert sie mich mit ihrer Spiritualität und esoterischer Veranlagung. Shoppen war ihr noch nie wichtig, ich kenne niemanden, der so bescheiden ist wie sie, aber so großzügig zu anderen. Da ist einfach nichts Protziges, Angeberisches, Überdrehtes. Sie ist einfach sie selbst. Ich merke in ihrer Gegenwart, wie ich ruhig werde und wieder einen Blick dafür bekomme, dass es so viel Wichtigeres gibt im Leben. Das war schon so, bevor sie krank wurde. Aber auch das trägt sie mit großer Tapferkeit, Ruhe und einer ganz unglaublich starken Art von Gottvertrauen, dass es schon wieder besser werden wird, obwohl sie schon viele Rückschläge ertragen musste. Das führt mir so klar vor Augen, dass das meiste, womit wir uns täglich plagen, worüber wir uns ärgern, „sempern“ auf gut österrreichisch, jammern und Endergie vergeuden, dass das alles einfach nur nebensächlich ist, nichts, was bleibt – oder was wir uns wünschen würden, dass es von uns bleiben soll.

Was bleibt…

Wenn ich an die Advent- und Weihnachtszeit meiner Kindheit zurück denke, kommen ganz klare Bilder. Ein paar davon wusste ich erst sehr viel später zu schätzen.

Wir, meine Eltern und meine Schwester, oft auch die Großeltern, haben uns zum Beispiel konsequent an jedem Adventsamstag Nachmittag im Wohnzimmer zusammengesetzt. Mein Vater hat seine Gitarre ausgepackt, ich habe ohne Murren (sonst war ich Weltmeister im Nichtübenundspielenwollen) meine Flöte geholt, und wir haben zusammen Adventlieder gespielt und gesungen. Am Kranz brannten die Kerzen, es gab erste Kekse, der Fernseher blieb aus.

Viele Jahre später hat mein kleiner Halbbruder versehentlich im Advent den Fernseher zerstört. Nach Tagen ohne Beschallung und Berieselung wurde das im Haushalt meines Vaters zur jahrelangen Tradition, dass den ganzen Advent lang überhaupt nicht ferngesehen wurde, nicht einmal die Nachrichten. Stattdessen wurde gespielt, getratscht, gelesen oder gebastelt.

Ich weiß noch, wie wir als Kinder dick eingepackt abends auf den wunderschönen Friedhof unseres Dorfes gegangen sind und auf verwaisten Gräbern Kerzen angezündet haben. Wenn wir heimkamen, gab es Kartoffelsuppe und frischen Apfelkuchen.

Der Duft und die klebrigen Hände vom Vanillekipferl-Backen…

Der Advent-Früchtetee in diesen schrecklichen, kratzigen, braunen Siebzigerjahre-Tassen, gehasst und vermisst….

Als ich am Heiligen Abend vor vielen vielen Jahren, Brüderherzlein war noch ganz klein, mit dem Auto gar nicht mehr weiterkam und zu Fuß durch’s tief verschneite Graz stapfte. Das war ganz still und sanft und weiß und lichterglänzend und kein bisschen mehr Stress und Hektik… Hinter den Fenstern konnte man die Christbäume mit tausend Kerzen und schemenhaft die Gestalten der dort versammelten Familien erkennen. Nur das Knirschen der Stiefel im knietiefen Schnee hat das elfenleise Klingeln übertönt. Ich bin überzeugt, in einem der winterstillen Gärten das Christkind gesehen zu haben.

Und jetzt bin ich in der Rolle, dass da ein kleiner Mensch ist, der hoffentlich ein Schatzkästchen voller Erinnerungen mitnimmt in sein Leben. Dinge, die bleiben sollen. Von uns, von ihrer Kindheit und auch ein Stück weit von mir. Von Traditionen, Festen und Familienritualen, Bilder, Gerüche, Stimmungen.

Es war eine wunderwunderschöne Zeit, als ich mein kleines Kind mit diesem Zauber von Weihnachten begeistern konnte, mit Geschichten von Engerln, die schon zu Beginn des Advents vorbeifliegen und dabei Vanillekipferl stiebitzen und goldene Sternchen verstreuen. Einmal haben wir vor der Terrassentür sogar eine seidenweiche weiße Feder gefunden.

Ich werde einen schönen Kranz hinstellen. Vielleicht komme ich nicht dazu, selbst einen zu backen, aber es wird Kuchen geben. Und Tee. Und Musik. Und mein Kind wird mich wieder auslachen, wenn ich versuche zu singen. Und dann wird sie mitsingen. Sie wird dann anschließend ein bisschen fernsehen wollen. Aber das tut sie äußerst dosiert. Vielleicht vergraben wir uns gemeinsam unter unsere orange Kuscheldecke, so wie damals, als sie noch klein war. Dann kommt noch die Katze auf den Schoß und mein Mann wird mir was zu trinken oder zu naschen bringen, weil ich zwischen Kind und Katze bewegungsunfähig eingekeilt bin. Wir werden uns über irgendwas im Fernsehen lustig machen, sie wird fürchterlich lachen über mich und meinen manchmal ein bissl depperten Humor verspotten.

Das Kind und mein Mann werden ein ganzes Wochenende damit verbringen, Fotos in die traditionellem Fotokalender zu kleben, deren Auflage jährlich steigt.

Dieser Tage verschwindet das Kind regelmäßig in sein Zimmer, weil sie wieder 24 kleine Geschichten schreibt, für mich, für meinen Adventkalender.

Am Wochenende vor Weihnachten fahren wir zusammen den Baum kaufen. Immer beim gleichen Händler, immer aus der steirischen Teichalm-Region. Ich werde eine Viertelstunde herumstapfen und dann einen auswählen. Der darf nicht zu klein sein, muss buschig sein und mich einfach „anhupfen“. Dann werde ich hektisch daneben Position beziehen, damit ihn mir keiner mehr wegschnappt, während mein Mann den Händler holt und mit ihm zu feilschen beginnt, und wenn es nur zwei Euro sind. Immer mit den gleichen Argumenten. Und ich werde mich wieder ob der Feilscherei beschämt abwenden, in Wahrheit deshalb, weil ich so lachen muss. Mein Mann wird sich über die gefeilschten zwei Euro freuen, den Schnaps ablehnen und dann wird der Baum nach Hause gebracht. Wir werden gemeinsam fluchen, bis das Ding steht, gemeinsam fluchen, bis viele, viele Lichterketten eingeflochten sind. Die Katze wird uns mit einem verächtlichen Blick („jetzt sind’s wieder deppert, wofür ein Baum im Raum?“) mustern. Und während der Baum am 24. geschmückt wird, läuft im Radio endlich gute Musik, Frankie goes to Hollywood und „Power of Love“ oder „Perfect Day“.

Immer noch verlieren manchmal die Engerln ihre Goldsterne. Das Kind glaubt es mir zwar nicht mehr, aber ich glaube, sie würde es trotzdem vermissen. So, wie ich meine Oma vermisse, die hochbetagt in einem Pflegeheim in ihrer ganz eigenen Welt versunken ist. Sie hat uns viele Bräuche näher gebracht und so viele Geschichten erzählt, Märchen, Sagen und Selbsterlebtes aus der eigenen Kindheit in einer längst vergessenen Zeit.

Das ist es, was von meiner Oma immer bei mir bleiben wird, ich kann kein Veilchen betrachten, ohne mich an sie zu erinnern. Ich werde an jedem Advent immer an die Adventsamstage meiner Kindheit mit Gitarre und „Es wird scho‘ glei‘ dumpa“ denken. Ich sehe die kleinen gehäkelten Eulen, die mir meine Freundin geschenkt hat und muss schmunzeln, weil die eine mit ihren roten Knopfaugen so lustig aussieht. Und dann rufe ich sie an und wir tratschen so lange, bis der Akku leer ist.

Was sind Eure schönsten Erinnerungen, Eure am meisten liebgewonnenen Traditionen und Rituale? Sucht zehn, sucht fünf,
vielleicht ist es auch nur eine – die eine ganz wesentliche Frage im Leben, die Ihr vielleicht für Euch beantworten wollt, die eine Frage, was wirklich wichtig ist, was geblieben ist und was bleiben soll… Teilt sie hier, teilt sie auf Euren eigenen Seiten, teilt sie vor allem mit den liebsten Menschen in Eurem Leben
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