Die Sache mit dem Neuen

Ich gehöre ja grundsätzlich nicht zu den Leuten, die Angst vor Neuem haben, ganz im Gegenteil, mit Neuem verbindet mich eine innige Leidenschaft, wie man an meinem Schrank sehen kann (auch wenn meine NEUgier diesbezüglich in den letzten knapp zwei Jahren einen deutlichen Dämpfer bekommen hat). Ich liebe es, neue Bücher oder neue Notizhefte aufzuschlagen, mit einem neuen Stift zu schreiben, neue, frische Lebensmittel einzukaufen, mit einem neuen Gewürz zu kochen, eine neue Zahnpastatube zu öffnen oder das erste Mal mit einem neuen Duschgel zu duschen. Und natürlich liebe ich es nach wie vor, etwas Neues in meinen Schrank zu hängen, aber habe es geschafft, dass das dauerhaftere Liebschaften und nicht mehr feurige aber eben kurzlebigeliebige One-Night-StandsDay-Wears sind. Und ich habe es weitestgehend geschafft, neue Lebensmittel oder das neue Duschgel erst dann heimzutragen, wenn die Vorräte aufgebraucht sind (vor zwei Jahren hätte eine Mure oder gelandete Außerirdische oder sonstiger Unbill uns von der Umwelt abschneiden können und wir hätten mindestens zwei Wochen lang kein Versorgungsproblem gehabt…)

Ich liebe auch neue Herausforderungen im Job (auch wenn es da Phasen gibt, wo ich mir etwas mehr Ruhe und Beständigkeit wünsche) und neue Eindrücke in meiner Freizeit. Aus diesem Grund hatte ich mir zu Jahresbeginn überlegt, jeden Monat etwas Neues auszuprobieren. Ausgesprochen – und noch dazu vor Zeugen – war dieser Neujahrsvorsatz schnell. Aber schon am dritten Jänner hatte ich Zweifel, ob ich tatsächlich für jeden Monat etwas in der Art finden werde.

Denn was ich nach nur einem Monat herausgefunden habe: es tut mir gar nicht gut, wenn das “ Neue“ ein neues Hobby ist. Irgendwie ist der Floh in mein Ohr gekrochen (bzw. über dieses Teufelszeug namens Pinterest in die Augen), ich könnte es doch mal mit Fimo probieren. Tolle Ideen sieht man da. Schmuck und so (aus dem Alter für kindische Viecher bin ich dann doch raus – mit kindischem Schmuck, das ist ja gaaaaanz was anderes). Und man könnte doch… Tja, und dann steht man beim Harnisch oder beim Bösner und ertappt sich dabei, dass man soeben wieder einen Haufen Geld ausgegeben hat für eine Steigerung der „Phasenbestände“ (Danke an die liebe Frau Ibrauchnix für diese geniale Wortschöpfung) um ungefähr 37%. Weil es bleibt ja nicht bei ein paar so Fimo-Eckerln. Nein, unversehens braucht man dann einen Lack und Ohrstecker-Rohlinge und Draht und Verschlüsse und so eine Silikonmodel für Blümchen und… Perlen nicht, die sind noch aus meiner Perlenphase vorhanden von vor ein paar Jahren. Jedenfalls hab ich wieder eine Kiste voll Zeugs und auf einem Bogen Backpapier warten so ein paar Blümchen und Fimo-Klunker auf eine Saunarunde im Backrohr, denn – man denke sich jetzt eine moralisch gehobene Augenbraue und den Zeigefinger – ich schalt‘ ja nicht extra das Rohr ein, wär‘ ja Stromverschwendung und ökologischer Wahnsinn (weil ja Fimo aus Regenwurmdung besteht oder so *mei’istmanmanchmaldeppert*)Die Dinger müssen auf die nächste Pizza warten. Blöderweise hab ich dann aber erstmal Hunger und außerdem ist das Rohr nach Pizza oder Kuchen oder Brathendl zu heiß und dann, ja dann vergess‘ ich wieder drauf. Falls es doch noch mal dazu kommt, dass die Fimos gebacken werden, muss ich dran denken, den Staub runter zu pusten, sonst schaut es so samtig aus… Ohne Backen bleiben die Dinger aber auch nach wochenlangem Lufttrocknen ganz weich.

Es lässt sich also unschwer herauslesen: das mit dem Fimo ist so eine Sache… Wobei das Fimo nix dafür kann, dass ich mich nicht wirklich konzentriert damit beschäftige. Schuld ist mein Nadelproblem. Und wenn man nicht komplett zum Misanthropen werden will, pflegt man außerdem lieber ein paar Hobbies, die einen ein bissl unter die Leut‘ bringen. Falls das Argument kommt, ich könnt‘ ja mit der Familie basteln: Herzmann und Tochterkind haben nach der Anfrage auf Beteiligung am Bastelspaß erst mich ganz groß angeschaut und dann einander, ich konnte über ihren Köpfen die Comic-Denkblasen sehen „Ojee, jetzt dreht sie uns komplett durch“. Kind ist dann in sein Zimmer geflüchtet – sie hat Basteln schon im Kindergarten gehasst, Mann hat immerhin gefragt, ob man eventuell aus Fimo auch Ersatz-Bauteile für Werkzeug oder Installationsbedarf herstellen könnte, es ging konkret um ein gebrochenes Plastikdings beim Garten-Wasseranschluss oder ein Stückl an der Navi-Befestigung im Auto.

Ich habe aber neben meiner Neugier auch eine ordentliche Portion Sturheit ausgefasst, und genau diese Sturheit wird mich dazu bringen, die ganzen Fimopackerln in irgendeiner Weise auch zu verbrauchen – und wenn’s doch noch das Navi-Plastikdings ist. Alles zu einem großen grauen, mit Draht umwickelten Knödel rollen, gilt nicht. Vielleicht entstehen kindische Schlüsselanhänger. Und vielleicht wird doch noch Schmuck draus oder Knöpfe oder moderne Kunst oder ein Blumentopf. Ich werde berichten und zeigen.

Auf jeden Fall gebe ich nach einem Monat W.O. mit meinem Neuigkeiten-Projekt. Ich kann keine neuen Hobbys brauchen. Nachdem meine Freizeit ja schon in erster Linie und mit ganzem Herzen der Familie gewidmet ist, komme ich jetzt schon nur alle heiligen Zeiten zum Malen, ich hätte noch Stoff zu vernähen, ich hab schon lang nicht mehr so richtig ausgiebig gekocht und gebacken, ich schreibe viel zu selten und komme noch seltener dazu, zu lesen oder mal mit einer Freundin ins Kino zu gehen. Wenn daneben noch Zeit übrig bleibt, schadet es mir auch nicht, eine Runde durch den Wald zu rennen, anstatt Plastikblümchen zu formen. Umbringen will ich mich mit Neuigkeiten auch nicht – sowas wie Bungeejumpen – und meine Spinnenphobieekelneurosenhysterie will ich auch nicht loswerden (wann kann sich ein Mann noch so richtig als Ritter fühlen, wie in dem Moment, wo er einen – einINNE? Wie gendert man das?? – vor einem mausgroßen, achtbeinigen Untier retten kann??????)

Etwas Neues, Mutiges gab es dann doch noch im Januar. Ich hab mich getraut und die Haare kurz schneiden lassen, zum ersten Mal wieder seit dreißig Jahren – meine Schafphase mit Dreizehn, aber das ist eine andere Geschichte…

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6 Gedanken zu “Die Sache mit dem Neuen

  1. Grüßle 🙂
    Fimo ist super, so super, daß ich nach Weihnachten total glücklich war, daß ich leider leider leider meiner kleinen Fimomaus noch DRINGEND ein paar essenzielle wichtige fehlende Farben nachkaufen musste (hat ihren Bestand gut verdoppelt 😉 ) ABER wenn das Kind seine Kreativität mal *hüstel* ausleben will, ja da muß doch die Profipädagogin *doppelhüstel* quasi unterstützend tätig werden. Und wirklich der Wahnsinn, die Fimoschnecke hat sich bei YouTube Fimofilmchen angeguckt (Blümchenperlen) und nachgemacht – ohne mich! 😦 Und die sind richtig richtig toll geworden, sieht nicht nach Kindergematsche aus….. Zwischenzeitlich durfte ich auch mal *freu*….

    Und? Wie fühlt es sich „oben ohne“ an? Schon dran gewöhnt?
    Liabs Griaßle

  2. Hoi!!! 🙂 🙂
    Wenn ich ein bastelwütiges Kind hätt‘, dann hätt‘ ich eine wunderbare Ausrede für viiiieeeeele Anschaffungen (eben: man bremst den Nachwuchs ja nicht in seiner Kreativität, sondern fördertfördertfördert). Aber was macht mein Kind? Straft mich und meine möchtegernkaufwütigen Kreativitätsexplosionen mit kompletter Missachtung, schreibt fantastische Geschichten oder lädt sich lieber eine App runter und paukt Spanisch, obwohl sie das erst nächstes Jahr in der Schule hat. Ich hab eine Zweigniederlassung vom Bösner in meinem Zimmer, am Elektrobrettl hunderte Pinterest-Fotos und mehree Dutzend You-Tube-Kanäle gespeichert. Nachts bastle ich schon Coco Chanel mit ihren Kamelienblüten an die Wand und lehre Thomas S**bo und wie diese ganzen Schmuck-Tschantscherl-Firmen heißen, das Fürchten. In der Post liegen Briefe, ich möge doch bitte vom Ruin ihrer Firmen absehen. Okeeeeeehhhh 😉 😉

    Tja, und das Oben ohne…. Das wird demnächst eine eigene Geschichte 🙂 🙂 🙂

    Viele liebe Grüßles zurück 🙂

  3. Liebe Andrea, ich muss ja gestehen, dass ich erstmal googeln musste, was Fimo eigentlich ist – aber das Grundprinzip bzw. dein Grundproblem damit ist mir doch sehr vertraut. Ich bin gerade auf dem Antik-Fotorequisiten-Trip – mehr muss ich wohl nicht dazu sagen, aber immerhin passt alles zu einem Hobby 😉

    Mit deinem Verweis auf den Shortcut („oben-ohne würde ich das jetzt nicht nennen) hast du mich ja echt neugierig gemacht. Ganz schön gemein, diese Sachen so ganz ohne Foto zu bringen … mich rappelts allerdings auch alle paar Jahre, mal wieder alles kurz schneiden zu lassen 😉

    Liebe Grüße
    Jana

    • 🙂 🙂
      Ich bin eh am Überlegen wegen Foto 🙂

      Jaja, die lieben Hobbys. Ohne die wär‘ mein Haus ganz schön leer. Mein Leben allerdings auch.

      Liebe Grüße
      Andrea

      • Wir hätten glatt ein Zimmer zu viel! Ohne meine Hobbies! 😉 Gruß an Dein Kind, Spanisch & sonstige Sprachen sind supersupersuper und ich pädagogische Flachzange sag‘ zu meiner, als die sich Babbel für irgendeine Sprache runterladen will: „Nimm doch Französisch, das haste ja in der Schule!“ Sie hat ’n „sehr gut“ – wie konnt‘ ich bloß den selben dummen Spruch meiner Mutter ablassen 😯 😕

        Wenn SIE sich für Schwedisch entscheidet hab‘ ich Glück …. Ich MUSS das dann kaufen: fördernfördernfördern 😉 🙂

        Ach, und: Wir wollen Haaare sehn, wir wollen Haaaaaare seeeehn….., grüßle i

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